16.11.2019

Eichenprozessionsspinner: Ascheberg plant Maßnahmen für 2020

Seit 2018 ist in Ascheberg, wie in der gesamten Region, ein vermehrtes Vorkommen des Eichenprozessionsspinners zu beobachten. Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld kann die Population des Eichenprozessionsspinners fürs nächste Jahr nicht sicher vorhergesagt werden. Sie hängt von vielen Faktoren ab, etwa von Temperaturen, Niederschlägen und von Fressfeinden sowie von einem möglichen Parasitenbefall der Eier. Die Gemeindeverwaltung Ascheberg hat nun, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre, eine Strategie zur Bekämpfung für das kommende Jahr 2020 erarbeitet. Dabei wurden die Fachleute des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen und der Unteren Naturschutzbehörde einbezogen.

 

Umweltfreundliche, natürliche Vorsorge

„Wir werden die vorsorglichen Maßnahmen verstärken“, erklärt Bürgermeister Dr. Bert Risthaus. „Dabei setzen wir auf eine möglichst naturnahe, umweltfreundliche Lösung, indem wir versuchen, die Anzahl der natürlichen Fressfeinde der Raupen zu erhöhen.“ Mehr (Jung-)Vögel können schließlich mehr Raupen vertilgen. Damit sich in Ascheberg viele neue Vögel ansiedeln können, bauen die Schüler der 6. und 7. Klassen der Profilschule Ascheberg in diesem Schulhalbjahr im Technikunterricht Nistkästen für verschiedene Vogelarten. „Unter Anleitung der Techniklehrer Stephan Ronge und Florian Schulte werden bis Ende Januar rund 50 neue Nistkästen entstehen“, erklärt Pressesprecherin Simone Böhnisch. Diese zusätzlichen Kästen sollen im gesamten Dorfgebiet in der Nähe befallener Eichen aufgehängt werden. „Die Idee ist, dass die nistenden Vögel ihre Jungtiere mit den Insekten aus der Nachbarschaft füttern, bevor die Raupen des Eichenprozessionsspinners ihre Brennhaare ausbilden“, erklärt die Biologin Dr. Irmtraud Papke vom Biologischen Zentrum in Lüdinghausen. „Je mehr verschiedene Arten zusammen leben, umso besser reguliert sich das Ökosystem selbst.“ Die Vielfalt der Vogelarten können alle Bürgerinnen und Bürger selbst das ganze Jahr über fördern, indem sie naturnahe Gärten anlegen, im Winter Vögel füttern und auf ihrem eigenen Grundstück Nistkästen aufhängen und pflegen. Bei der jährlichen Reinigung der Nistkästen plant die Gemeindeverwaltung eine Kooperation mit dem Inklusionsbetrieb INTZeit-Arbeit gGmbH, einem Tochterunternehmen des Sozialwerks St. Georg.

 

Gezielte Prophylaxe

Damit sich die Eichenprozessionsspinner an sensiblen Orten gar nicht erst ausbreiten, wird die Gemeindeverwaltung erneut örtliche Schädlingsbekämpfungsfirmen beauftragen. Sie sollen die Bäume an sensiblen Bereichen wie Schulhöfen, Kindergärten und Spiel- und Sportplätzen vorsorglich behandeln. „An welchen sensiblen Bereichen diese Maßnahme notwendig ist, haben wir bereits überlegt“, erklärt Christian Scheipers, Leiter der Tiefbauabteilung. Wie im vergangenen Jahr, sollen die oben genannten und sensiblen Standorte  prophylaktisch behandelt werden. Zusätzlich sollen im nächsten Jahr auch stark frequentierte öffentliche Bereiche, die sich im gemeindlichen Eigentum befinden, prophylaktisch behandelt werden: der große Prozessionsweg, der Friedhof und die Festwiese sowie Schwakes Pättken in Ascheberg, die Burgstraße sowie das Burgturmgelände in Davensberg und der weiträumige Bereich am und um den Friedhof in Herbern. „Wir wollen die Prophylaxe jedoch auf die allernotwendigsten Standorte beschränken, da sie auch andere Insekten schädigen könnte“, erklärt Christian Scheipers. „Den Einsatz von Bioziden können wir jedoch nicht gänzlich vermeiden, da wir die Gesundheit der Bevölkerung an vielbesuchten Orten im Innenbereich anders nicht ausreichend schützen können“, begründet Bürgermeister Risthaus die zusätzlichen Vorsorgemaßnahmen. Mit den Nistkästen sollen die übrigen Standorte versorgt werden, die nicht prophylaktisch behandelt werden. Bestehende Nistkästen in den prophylaktisch zu behandelnden Bereichen werden vorher mit einem Sicherheitsabstand umgehängt.

 

Entfernung verbleibender Nester in sensiblen Bereichen

Sollte die Prophylaxe nicht ausreichen und in sensiblen Bereichen trotzdem Nester des Eichenprozessionsspinners entstehen, wird die Gemeindeverwaltung diese von Fachfirmen absaugen lassen. Um diese Vorsorge- und Schutzmaßnahmen zu finanzieren, werden für 2020 rund 15.000 Euro im Haushalt einzuplanen sein.

 

Service der Gemeindeverwaltung

Die Gemeinde wird in der Saison des Eichenprozessionsspinners wieder jeden Hinweis auf Gefahrenstellen entgegen nehmen und den jeweiligen Handlungsbedarf prüfen. An den mitgeteilten Standorten werden die Mitarbeiter des Bauhofs Warnschilder aufhängen. Sofern es darüber hinaus notwendig sein sollte, sperren Sie auch einzelne Bereiche ab und prüfen, ob eine Entfernung weiterer Raupennester durch Fachfirmen notwendig und möglich ist.

 

Eigentümer für Privatgelände verantwortlich

„Aufgrund der Vielzahl der Bäume im Gemeindegebiet können wir nur Grünflächen im Innenbereich versorgen, die sich im Gemeindeeigentum befinden“, erklärt Christian Scheipers. Für Maßnahmen auf privatem Gelände ist der jeweilige Eigentümer verantwortlich.

 

Diese Vorgehensweise gegen den Eichenprozessionsspinner wird die Verwaltung im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss am 28.11. vorstellen.